SAFFA 1928 und 1958

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Mutige Manifestation der Frauen: Die SAFFA 1928 

Im Sommer 1928 öffnete die erste Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) in Bern ihre Tore. Die erste SAFFA fand auf Initiative der Berufsberaterin Rosa Neuenschwander statt. Rosa Neuenschwander (* 1883; † 1962) war eine Berner Pionierin im Bereich der Berufsberatung und Berufsausbildung. Sie war die erste Berufsberaterin in Bern und auf ihre Initiative hin wurden mehrere Sozialwerke für Jugendliche und Frauen gegründet. Die beiden wichtigsten von ihr initiierten Verbände sind der Schweizerische Frauengewerbeverband und der Schweizerische Landfrauenverband (SLFV). Sie strebte an, die Leistungen der Frauen in Familie, Beruf, Wissenschaft und Kunst darzustellen und widerspiegelte das neue Selbstbewusstsein der berufstätigen Frauen.

Diese neue Generation von Frauenrechtlerinnen entwickelte unter anderem Ausstellungen der Frauenarbeit als politisches Kampfmittel. Rosa Neuenschwander organisierte 1923 in der Spitalacker-Turnhalle die erste Frauengewerbeausstellung. Der Erfolg ermutigte die Frauen zum ganz grossen Anlass: Dank gewaltiger unentgeltlicher Vorarbeit unzähliger Helferinnen fand vom 26. August bis 30. September 1928 auf dem Viererfeld in Bern (dem Gelände der Landesausstellung von 1914) die erste Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) statt. Rund 800 000 Menschen (ein Viertel der damaligen schweizerischen Bevölkerung und zehnmal mehr als erwartet) besuchten die Pavillons zu den verschiedensten Themen von Hauswirtschaft bis Freie Kunst, von Krankenpflege bis Wissenschaft und liessen sich sowohl die moderne erwerbstätige Frau wie auch die traditionelle Hausfrau, Mutter und Konsumentin zeigen. Der Blick auf die Bedeutung der Frauen für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft verlieh der Frauenbewegung Ansehen und neues Selbstvertrauen auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Trotzdem behielt die überdimensionierte Schnecke, mit der die Frauen im Eröffnungsumzug die Entwicklung der Stimmrechtsfrage symbolisch dargestellt hatten, bis 1971 ihre Gültigkeit. Auch die im Überschwang des Saffa-Erfolgs dem Bundeshaus übergebene Frauenstimmrechtspetition von 1929 verschwand dort einstweilen in einer Schublade wie viele andere Vorstösse zuvor und danach.

Die SAFFA wurde von Frauen konzipiert, organisiert und gebaut. Frauen schufen für Frauen (und Männer) einen eindrücklichen Raum zur Demonstration der Kraft und der Vielfalt der "Frauenarbeit". Nach dem Ersten Weltkrieg war das Selbstbewusstsein der Frauen grösser geworden und es zeigte sich immer mehr, dass gute Berufslehren für Frauen nicht nur der Gleichberechtigung, sondern ebenso der sozialen Wohlfahrt dienlich waren. Die SAFFA bezweckte den Arbeitsmarkt für Frauen zu beleben und den Menschen die Bedeutung der Frauenarbeit für die gesamte schweizerische Volkswirtschaft ins Bewusstsein zu rufen. Auch sollte damit das Selbstbewusstsein der Frauen weiter gestärkt werden. Dieses Vorhaben wurde von vielen belächelt und auch die organisierenden Frauen mussten ihre Unsicherheit und Selbstzweifel überwinden. Der dadurch entstandene Druck führte zu einem ungeheuren Arbeitseifer und Perfektionismus, so dass die SAFFA 1928 zur bestorganisiertesten Ausstellung wurde, die je in der Schweiz stattgefunden hatte. Die Ausstellung wurde ein grosser Erfolg, so dass ein beträchtlicher Überschuss erwirtschaft werden konnte. Dieser wurde konsequenterweise in Solidaritätswerke von Frauen für Frauen reinvestiert.

Vier von fünf der damals gegründeten Solidaritätswerke bestehen heute noch.

 

Landi der Frauen: Die SAFFA 1958

Die zweite SAFFA zog in Zürich vom 17. Juli bis 15. September 1958 über 1.9 Millionen Besucherinnen und Besucher an und war wie die erste SAFFA ein grosser Erfolg. Die ganze Ausstellung wurde ausschliesslich von Frauen organisiert und auch gestaltet. Neu und besonders aufsehenerregend waren die Rundbauten, die als Symbol der Zusammengehörigkeit der Frauen stehen sollten. Themen wie "mein Heim - meine Welt", "mit Nadel und Faden" und "im Reich der Küche" zogen die Hausfrau von damals in den Bann.

Die SAFFA 1958 stand unter dem Zeichen der bevorstehenden Abstimmung zum Frauenstimmrecht. Die Frauen verzichteten deswegen auf allzu kämpferische Auftritte und richteten an der SAFFA ein "Männerparadies" ein. Die Frauen brillierten wie schon 1928 mit wunderbaren Einfällen. So bestand das SAFFA-Frauenorchester aussschliesslich aus Musikerinnen und wurde von der ersten diplomierten Dirigentin der Schweiz, Hedi Salquin, dirigiert. Die Frauen spielten ein Stück der bekannten Komponistin Fernande Peyrot (1888-1978); Die Intrada. Der Bundesrat erschien geschlossen zum Eröffnungskonzert in der Wasserkirche.

An der SAFFA 1958 wurde das sogenannte Dreiphasenmodell im Leben einer Frau nach dem Motto "Lebenskreis der Frau in Familie, Beruf und Staat" propagiert. Erstens die Ausbildungs- und Berufsphase, dann die Mutterschaft und anschliessend die zweite Erwerbsphase, der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben. Die Rolle der Frau als Alleinverantwortliche für die Familie als "Hort der Geborgenheit" im sich immer schneller wandelnden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld wurde dabei nicht infrage gestellt. Während der 2. SAFFA erschien Iris von Rotens umstrittenes Buch "Frauen im Laufgitter". Dieses Buch soll nun die den Frauen von der Presse und den Männern vermeintlich entgegengebrachte Goodwill zerstört haben und Frau von Rothen wurde von verschiedenen Seiten sogar die Schuld für das Scheitern der Abstimmung von 1959 gegeben. Es kann sich um keine grosse Goodwill gehandelt haben, wenn sich die Schweizer bis dahin nicht darum geschert hatten, dass sie die Einzigen in ganz Europa (ausgenommen Liechtenstein) waren, die ihren Frauen und Mitbürgerinnen das Wahlrecht versagten. Die wahren Schuldigen waren diejenigen, die nicht die Grösse hatten, den Zeichen der Zeit Rechnung zu tragen, und mit Bestimmtheit nicht eine Frau, die lediglich die Wahrheit zu Papier gebracht hatte. Die zweite SAFFA wurde wie die Erste ein grosser Erfolg und die erwirtschafteten Überschüsse wurden wiederum in Solidaritätswerke von Frauen für Frauen reinvestiert.

pml

   

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